Das Bildungsforum gegen Antiziganismus hat Bildungsmaterialien zum Widerstand von Sinti und Roma gegen den Nationalsozialismus herausgegeben:

„Wir geben uns nicht in ihre Hände“

Herausgegeben vom Bildungsforum gegen Antiziganismus und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Berlin 2019, 156 S.

„Wir geben uns nicht in ihre Hände“

BILDUNGSMATERIALIEN ZUM WIDERSTAND VON SINTI UND ROMA GEGEN DEN NATIONALSOZIALISMUS

Dem Völkermord an Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs ging ein Prozess der systematischen Erfassung, Entrechtung und Ausgrenzung voraus, ohne den der Völkermord in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Schon vor 1933 gab es verschiedene Formen der Diskriminierung gegenüber der Minderheit, beispielsweise im Polizeiapparat. Als mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten der Rassismus zur Staatsdoktrin wurde, verschlechterte sich die Lage der Sinti und Roma in Deutschland jedoch dramatisch. Nicht zuletzt wurden so auch die Möglichkeiten der Betroffenen eingeschränkt, sich zur Wehr zu setzen. Darüber, welche Handlungen, Verhaltensweisen oder Haltungen überhaupt unter den Begriff des Widerstandes gefasst werden können, ist viel diskutiert worden. In Anbetracht einer Verfolgungspolitik, die darauf zielte, alle als „Zigeuner“ kategorisierten Menschen zu erfassen, aus der Gesellschaft auszuschließen und schließlich zu ermorden, ist in diesem Zusammenhang nur ein weit gefasster Widerstandsbegriff sinnvoll. Die Handlungsoptionen der Verfolgten waren aufs Äußerste eingeschränkt, häufig blieb ihnen nur der nackte Kampf ums Überleben. Somit müssen alle Versuche, den reibungslosen Ablauf von Verfolgung und Vernichtung zu stören, sich zu entziehen und unter verzweifelten Bedingungen die eigene Menschlichkeit zu wahren, als Widerstand gelten. Es liegt auf der Hand, dass widerständiges Verhalten immer auch durch die zunehmend radikalen Verfolgungsmaßnahmen bedingt und geprägt war. 


Walter Winter

Z 3105 die Geschichte des Sinto Walter Winter, der auch in Oldenburg lebte

Der Verlag VSA hat einen Teil des Buches über Walter Winter von Karin Guth im Internet zur Verfügung gestellt. Ein Beitrag in den oben genannten Bildungsmaterialien ist ebenfalls zu Walter Winter.

Hier der LINK zum Buch

Nazizeit

Der Anfang 1. Ein Jahr nachdem Hitler die Regierung übernommen hatte und die NSDAP immer mehr Zulauf bekam, waren die Veränderungen schon zu spüren. Wir hatten davon gehört, dass kaum 50 Kilometer entfernt von Oldenburg in Esterwegen ein Lager für Hitler-Gegner eingerichtet worden war. Mein Vater saß manchmal mit den Männern aus der Verwandtschaft zusammen, und ich bekam mit, dass sie sich Sorgen machten und überlegten, wie es wohl in Deutschland weitergehen würde. Sie ahnten wahrscheinlich, dass unsere Art zu leben, vielleicht sogar unsere Haarfarbe den Nazis bald ein Dorn im Auge sein würde. Wenn wir in einen etwas größeren Ort kamen, hatten wir das Gefühl, als ob die Leute uns beobachteten und besonders misstrauisch anguckten. Der Kleidung nach haben wir gar nicht anders ausgesehen, aber wir waren eben dunkel, hatten schwarze Haare. Wir merkten schon am Blick, was die Leute über uns dachten


Widerstand 1933 – 45

Der Historiker Dr. Ulrich Opfermann gibt Einblick in seinen aktuellen Forschungsstand zu Geschichten des Widerstands in der Zeit von 1933–45 in unter als Sinti und Roma geführten Ruhrgebietler*innen.

".... denn selbstverständlich waren diese Menschen vielfältig mit der sie umgebenden Gesellschaft verbunden, und sicher gab es unter ihnen auch den individuellen Blick auf die politischen und sozialen Verhältnisse und dazu Positionierungen. Sichtet man die biografischen Selbstzeugnisse und schaut man in die archivalischen Primärquellen, dann bestätigt sich, dass es ebenso wie im Falle anderer sozialer und „ethnischer“ Bevölkerungsgruppen eine aktive NS-Gegnerschaft vor wie nach 1933 auch in der deutschen Roma-Minderheit gab.

 

 

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