Projekt Erinnerungskultur 2019 II

Offenes Gedenken - Das Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen und späteren Vernichtungsort Uckermark

Immer auf der Suche nach Formen des Gedenkens ist dieses Mal die Initiative für einen Gedenkort ehemaliges Konzentrationslager Uckermark e.V. in den Blick geraten. Viele Gedenkorte sind in den 80ern von Bürgerinitiativen gegründet und später nach vielen Auseinandersetzungen in staatliche Verantwortung übernommen worden (z.B. KZ Esterwegen). Das Jugendkonzentrationslager
für Mädchen und junge Frauen Uckermark  (nah beim Frauen-KZ Ravensbrück) wurde erst 1989 nach der Nutzung durch Militär wieder als Gedenkstätte "frei". Hier hat die feministische Initiative durch Ausgrabungsarbeiten während alle ein bis zwei Jahre stattfindener Camps den Ort sichtbar gemacht und durch Öffentlichkeitsarbeit wie die Ausstellung und durch Bücher und anderen Veröffentlichungen viel Material zusammengetragen.

Leider gibt es zu den beiden achtjährigen Sintimädchen, die in Texten erwähnt wurden, keine Informationen. Darum haben wir Filme von der Situation der Frauen in Ravensbrück ins Programm geholt, "Aber man kann des gar net so sagen,
wie’s wirklich war..." Die Sintezza Sophie Wittich und "Es steht mir zu, zu leben" Esther Bejarano. Beide berichten über ihre Haft in Auschwitz und Ravensbrück und beide Filme wurden von Loretta Walz gedreht.

Die Initiative schreibt: "Das Uckermark-Netzwerk stellt sich einer Musealisierung des Gedenkens entgegen und arbeitet immer mit antifaschistischem Gegenwartsbezug – der eine Kritik an der Verfasstheit deutscher Erinnerungs- und Gedenkarbeit einschliesst". Das Konzept Offenes Gedenken wird am 8.12.  um 11.30 durch einen Vortrag erläutert und die Kontinuitäten nach 1945 als Gegenwartsbezug dargestellt.

Die Referentinnen kommen von der Initiative für einen Gedenkort  ehemaliges Konzentrationslager Uckermark e.V. (HH).


Projekt Erinnerungskultur 2019

Anlass 30 Jahre Gedenkstein, 70 Jahre BRD

Das Comicprojekt werden wir mit einer Ausstellung "Zeichne, was Du siehst", Zeichnungen eines Kindes aus Theresienstadt/Terezin von Helga Weissová und dem Zeigen des gesammelten Materials abschliessen (siehe weiter unten).

Aus gegebenen Anlass ( das Denkmal für die Opfer der im Nationalsozialismus ermordeten Sinti wurde vor 30 Jahren auf Wunsch einer Bürgerinitiative als erstes kommunal gefördertes Denkmal in der BRD errichtet ) soll ein neues Projekt entstehen:

Wir vom Freundeskreis für Sinti und Roma und vom Anna-Schwarz RomnoKher müssen feststellen, dass trotz unserer  Bemühungen die Darstellung der Geschichte der Oldenburger Sinti und Roma in der offiziellen städtischen Erinnerungskultur noch immer vernachlässigt wird.

Aber auch bei Organisationen der Oldenburger Zivilgesellschaft ist die Geschichte der Sinti und Roma oftmals ein leeres Blatt. Auf den von uns gesammelten Veranstaltungsterminen zum 27.Januar, dem internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust (www.sinrom.de) sind im Unterschied zu anderen Städten nichts zu finden. Wir haben uns vorgenommen, durch Gründung eines Arbeitskreises "Erinnerungskultur Oldenburg" o.ä. dieses zu ändern und die einzelnen "Akteure" wie in anderen Städten zusammen zu bringen.


Der Text stammt aus dem im Jahre 2001 herausgegebene Gedenkkonzept Seite 32. der Stadt Braunschweig (darin nahmen die Autoren den Gedenkstein in Oldenburg nicht gewahr):
"In Hannover wurde bereits der Sinti und Roma durch Aufstellung eines Gedenksteins gedacht; auch in Magdeburg hat man unlängst in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Sinti und Roma ein Denkmal in unmittelbarer Nähe des Domes eingeweiht. Als weiteres Beispiel für die beginnende Erinnerung an die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma sei hier die Stadt Osnabrück genannt, die auf zwei im Format identischen Gedenktafeln beim Osnabrücker Rathaus einerseits der jüdischen Bürgerinnen und Bürger, andererseits der ermordeten Sinti und Roma gedenkt."

In einer Leseprobe Topographie der Erinnerung steht u.a.

"Im Rathaus der Stadt Braunschweig wurde im Jahr 2002

ein symbolischer Raum des Erinnerns und Gedenkens ge-

schaffen, der den Braunschweiger Sinti gewidmet ist.

Die Gedenkstätte befindet sich im Erdgeschoss des Rathau-

ses, Langer Hof 1, in der Braunschweiger Innenstadt."

Die Seiten davor sind auch lesenswert.

Download
30 Jahre Gedenkstein
Dokumentation des Verlaufes zur Errichtung der Gedenkstätten für die Opfer der Sinti während der nationalsozialistischen Diktatur in Oldenburg
30_Jahre_Gedenksteinkl.pdf
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Wie Alles mit den Comics Anfing:

2016 machten wir eine Ausstellung zur schwedischen Roma-Bürgerrechtlerin und Kinderbuchautorin Katarina Taikon. Sie schlug nach vielen Erfolgen, aber auch vielen Rückschlägen in der Bürgerrechtsarbeit eine andere Richtung der politischen Arbeit ein: sie schrieb ihr Leben als Kind und Jugendliche auf. 13 Bände erschienen im eigenen Verlag, wurden in vielen Ländern (und Sprachen herausgegeben) und hatte großen Erfolg. Ihr Freund Björn Hedlund, ein Zeichner, illustrierte ihre Bücher. Später kamen Comics und Bildbände hinzu. Eine Filmreihe im Fernsehen, eine Schallplatte, und vor ihren autobiografischen Büchern schon politische Bücher und ein Gedichtsband gab sie heraus und wir sammelten ca 70 Exponate (wobei immer noch einiges fehlt). Diese imposante Medienarbeit imponierte und begeisterte uns. Bürgerrechte erkämpfen mit Hilfe u.a. des Comics?

Das hat dazu geführt, dass wir dieses Thema 2018 in unserem Anna-Schwarz RomnoKher weiterführen wollen.

Im Folgenden dokumentieren wir die Erarbeitung.

 


Katarina Taikon hat eins ihrer Bücher Katitzi Z-1234 genannt. In dem Buch ist Katitzi ungefähr 12 Jahre alt geworden und sie lebt jetzt bei ihr Familie in der Tanto-Gegend in Stockholm. In der Gegend überlebte auch die junge Roma-Frau Zoni das Konzentrationslager Auschwitz. Zoni hat schreckliche und traumatische Erinnerungen an die Zeit in Polen und dem Konzentrationslager Auschwitz. Zoni erzählt Katitzi von dem, was sie dort erlebt hat. An ihrem Handgelenk hat Zoni eine  Nummer tätowiert. Die hatte sie bekommen, als sie in Auschwitz eingesperrt wurde. Die Nummer beginnt mit dem Buchstaben Z – steht für "Zigeuner". Auf Katitzis Bitte hin malt Zoni eine ähnliche Nummer auf Katitzis Arm. Die Nummer ist Z-1234.

 

Sofia Z-4515 war der erste Comic über den Holocaust, oder  Porajmos  (deutsch: „das Verschlingen“). den wir im Zusammenhang mit Katarina Taikon fanden.


Aus dem Vorwort der in schwedisch und englisch erhältlichen Broschüre:

Sofia Taikon war erst acht Jahre alt, als sie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht wurde. Die Nummer Z-4515 war auf ihren linken Arm tätowiert. Für Sofia war während des Krieges sehr schrecklich, als der Krieg endete, kam sie mit dem Roten Kreuz nach Schweden, als sie vierzehn Jahre alt war. Sofia Taikon brauchte drei Jahre um ihr Leben der Autorin Gunilla Lundgren zu erzählen. Sie wollte nicht an alles erinnert werden, was sie gesehen und durchgemacht hat. "Wir werden dir nicht alles sagen, damit die Kinder nicht traurig werden", sagt sie. - Warum können Menschen nicht protestieren, wenn andere grausam sind? fragt Sofia. Sie will erinnern an die hilfreichen Menschen, den polnischen Mann in Auschwitz, der mit einem sauberen Tuch ihre verletzten Beine verband, die deutsche Frau in Ravensbrück, die ihr Brot mit ihr geteilt hat, das jüdische Mädchen, die ihre Schwester worden war, die schwedische Familie in Jönköping, die sie in ihrem Haus empfing. Das Leiden der Sinti und Roma während des Holocaust ist weitgehend unbekannt und es gibt nur wenige Roma Zeugen und Überlebende. In Schweden ist der Comic auch als kostenloses E-Book erhältlich und es gibt zusätzliches Unterrichtsmaterial, das die Möglichkeit erhöht, dass mehr Schüler erfahren, wie die Roma während des Holocaust gelitten haben. In Englisch


Comics von Sinti und Roma


Ohh Porajmos...

Illustrationen zur Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma, herausgegeben vom

Landesverein der Sinti in Hamburg PDF

„Meine Familie und andere Zigeuner"

von Rob Davis
Respekt, Toleranz und Wertschätzung –  Ein Projekt des Goethe-Institut Moskau

Link

Miguel + Nekane

Die Gitanas in der Geschichte, eine baskisch-spanische zweisprachige Ausgabe, herausgegeben von AGIFUGI, Gitana Verein

PDF

Sofia Z-4515

wurde in englischer Sprache von Mantra Lingua veröffentlicht, aus dem Schwedischen hat Janna Eliot übersetzt, die auch schon das Buch über Settela Steinbach übersetzte. Link

Un-mögliche Bildung

Der Zugang zu Bildung ist nicht für alle gleich.  Zu sehen sind Bilder und Geschichten u.a. von Petra Rosenberg, Vorsitzende des Berliner Landesverbandes. Link



Die Geschichte des Comic bildet viele Geschehnisse ihrer Zeit ab: Ob in einem Comic ein afroamerikanischer Held das erstemal auf dem Cover eines "Western" erscheint, ob in dem Comic "Votes For Women" die Frauen in England der Gleichberechtigung mit den Männern einen Schritt näher kamen oder in "Sofia Z-4515" über die Geschichte der Roma Sofia Taikon berichtet wird, einer polnischen Roma, die Auschwitz überlebte und nach Schweden flüchten konnte.

Auch Zensur in allen Facetten, ob "freiwillig" oder durch Verweigerung des notwendigen Druckpapiers, spricht viel für das Gewicht der Comics als Ausdrucksmittel vom Mainstream, aber auch von diskiminierten "Minderheiten" oder sogar Mehrheiten.


Als eines der ersten Bücher haben wir das im archiv der Jugendkulturen e.V. erschienende Buch "Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics, herausgegeben von Ralf Palandt gekauft. Der Titel ist etwas irreführend, denn viele Artikel beschreiben die Geschichte gegen den Rechtsextremismus..., Comics im Faschismus, über rassistische und antisemitische Stereotype, über den Gebrauch von NS- und Holocaust-Comics im Schulunterricht und vieles andere. Die 18 Euro für 450 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen ist ein Gewinn für die Erarbeitung unserer Ausstellung.

Gerade der Artikel von Martin Frenzel, "Über Maus hinaus" hat uns viele Anregungen gegeben. Frenzel ist einer der wenigen,  der auch zu Sinti und Roma im Comic geforscht und einen Vortrag gehalten hat: Video: Das Bild der Sinti und Roma im europäischen Comic.


Sehr wichtig ist der Katalog über die Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin: "Helden, Freaks und Superrabbis, Die Jüdische Farbe des Comics" von 2010. Es ist leider vergriffen und wir haben es gerade noch im Antiquariat bekommen Begleitbuch zur Ausstellung.

Trina Robbins Artikel "Comics von Jüdischen Frauen" über das Wimmen´s Comix Collective führte in uns weiter zu den Frauen als Zeichnerinnen.

Als eine der ersten Pioniere gilt Lily Renée, über die Trina Robbins einen Comic geschrieben hat: Lily Renée, Escape Artist - From Holocaust Survivor to Comic Book Pioneer". Es ist gerade aus Großbritannien angekommen.


Gerade erst erschienen (März 2018) ist das Buch "We spoke out - Comic Books and the Holocaust von Neal Adams, Rafael Medoff und Craig Yoe. Neal Adams schuf die preisgekrönte Reihe Hard Travelling Heroes, sozialkritische Comics, die erstmals   Probleme wie Drogenmissbrauch oder Rassismus innerhalb des Mediums Comic thematisierten.

In den 1970ern versuchte Adams eine Comiczeichner-Gewerkschaft ins Leben zu rufen. Er leistete einen bedeutenden Beitrag zu der heute üblichen Praxis, Originalzeichnungen nach der In-Druck-Gabe der auf diesen basierenden Heften, wieder an die Künstler zurückzugeben. Dies ermöglicht es vielen - oft nur schlecht bezahlten - Künstlern sich durch den Verkauf von Originalzeichnungen an Sammler etwas Geld dazuzuverdienen. Adams gehörte überdies der Gruppe jener Künstler an, die durch ihren massiven Protest Warner Brothers dazu bewogen, den durch Knebelverträgen nahezu überhaupt nicht von ihrer Schöpfung profitierenden Superman-Erfindern, Jerry Siegel und Joe Shuster, eine bescheidene Entschädigung und Altersrente zu erstatten. (aus Wikipedia)


Erst einmal eine kurze Pause (ich muss diesmal keine Comics sondern Essen einkaufen...)